Dimitrij Kitajenko (Dmitry, Dmitri, Dimitri, Kitayenko, Kitaenko)
Kitajenko

Kluge Distanz

Musik:   *****
Klang:   *****

Dieter Oehms ist mit seinem Label auch im zehnten Jahr nach der Gründung noch immer für Überraschungen gut. (…) Ein ganz großer Wurf kündigt sich aus Köln an. Nachdem sich das Orchester in den letzten Jahren auf hohem Niveau nochmals hörbar weiterentwickelt hat, verfügt es nun über einen in sich abgerundeten, durchaus charakteristischen Ton, der den Begriff Klangkörper neu erfahrbar macht – und dies ganz ohne eine bloß äußerlich schillernde Brillanz, sondern durch eine gleichsam von innen kommende Präzision und Plastizität. So hat Dmitrij Kitajenko auch leichtes Spiel, Tschaikowskys Fünfte nicht nur als haderndes „Murren, Zweifeln, Klagen“ erscheinen zu lassen, sondern als eine Partitur, die in der Distanz zu solch subjektiven Deutungen alles zu sagen hat. Auf glückliche Weise verbindet er dabei ein auf tradierten Wurzeln basierendes emotionales Werkverständnis mit einer engagierten und detailfreudigen Spielkultur. Diese Symbiose ermöglicht dann auch bei durchwegs erstaunlich zurückhaltenden Tempi den konsequenten Aufbau von weithin atmenden, exakt ausgehörten Spannungsbögen. Wie klug das Konzept dramaturgisch begleitet wird, zeigt die Kombination mit der Ouvertüre zu der nur wenig später entstanden „Pique Dame“, die sich als ein musikalisches „Aha-Erlebnis“ erweist.

Michael Kube, FonoForum, Juni 2012