Dimitrij Kitajenko (Dmitry, Dmitri, Dimitri, Kitayenko, Kitaenko)
Kitajenko

Das Adagio, wo der Schnee schmilzt

Was für ein Prachtwerk! Dass Tchaikovskys 1. Symphonie keine Jugendsünde ist und viel zu wenig gespielt wird, war gewusst. Doch wenn die Dirigenten sie nicht vordergründig effekthascherisch, sondern so authentisch gestalten würden wie Dmitrij Kitajenko, wäre sie vielleicht besser bekannt. Kitajenko investiert viel in das Werk, um seinen tief russischen Charakter, seine Melancholie, seine Farben optimal erklingen zu lassen. Er wird dabei von einem hunderprozentig disponierten Gürzenich-Orchester denkbar gut unterstützt. (...) Zentralstück aber ist der zweite Satz, den ich mir nach dem ersten Durchlauf gleich zwei weitere Male angehört habe, anhören musste. Welche Ausdruckskraft wird doch da gleich zu Beginn geschaffen (...). Ergreifender kann man das nicht gestalten. Wer dabei noch keine Gänsehaut hat, bekommt sie beim Höhepunt des Adagios, bei der Wiederaufnahme des zweiten Themas, die Kitajenko mit einer fast unheimlichen Ruhe ansteuert. (...) Das sind drei Minuten allerbesten Tchaikovskys. Und wenn sie die einmal unter Kitajenkos Leitung gehört haben, bekommen sie ob des Showcharakers, den andere Dirigenten, von Karajan bis Jurowski, diesem Passus verleihen, einen Lachkrampf. (...) Das sind drei Minuten, die mustergültig zeigen, welch großer, wunderbarer Interpret und Dirigent Dmitrij Kitajenko ist.

Supersonic-Award Pizzicato

Remy Franck, Pizzicato, September 2012