Dimitrij Kitajenko (Dmitry, Dmitri, Dimitri, Kitayenko, Kitaenko)
Kitajenko

Transparente Klangdichte

Tchaikovskys Zweite Symphonie ist die psychisch unbelastetste seiner Symphonien, ein Werk, das von Volksmelodien lebt, und entsprechend farbig und fulminant muss sie klingen. Bei Dmitrij kitajenko und dem Gürzenich-Orchester ist sie in besten Händen. Sie erklingt sonor, und das Ohr erfreut sich an einem substanzreichen, nahrhaften Orchesterspiel, das von den Mikrophonen vorzüglich eingefangen wurde, so dass es bei einer bemerkenswerten und physisch erlebbaren Klangdichte transparent bleibt. Kitajenko bringt Kraft ohne Schwere, er lässt die Musik spannend werden, mit einem dramaturgisch satzübergreifenden Konzept und einem bestens dosierten Espressivo.

Leonard Elschenbroich spielt die Rokoko-Variationen mit warmer Tongebung und ansprechendem Legato. Rubato und dynamische Abstufungen bringen Rhetorik und Emotionen in eine gute Balance. Insgesamt klingen die Rokokos bei ihm kräftiger, gewichtiger als bei vielen anderen Cellisten, die sie luftiger und eleganter spielen. Doch diese ganz persönliche Interpretation hat ihre Qualitäten, liefert hie und da neue Gesichtspunkte, dunkle vor allem, und differenziert so die einzelnen Charakterstücke bedeutsamer als bei vielen seiner Kollegen.

Remy Franck, Pizzicato, Januar 2013