Dimitrij Kitajenko (Dmitry, Dmitri, Dimitri, Kitayenko, Kitaenko)
Kitajenko

Wer in den Kosmos des Schaffens von Sergej Prokofjew vordringen will, muss seinen musikalischen Kompass nach vier vom Komponisten selbst vorgegebenen „Hauptrichtungen“ hin ausrichten: Da ist zum einen die klassisch/neoklassische Linie. Zum anderen war er Neuerer, der durch Intonation, Instrumentation und formalen Aufbau eine „Sprache für starke Emotionen“ formte. Hinzu kommen Motorik und schließlich die Lyrik.
Mit der Einspielung der sieben Sinfonien Prokofjews beweist nun Dmitrij Kitajenko, dass er und das ihm kongenial folgende Gürzenich-Orchester Köln über das nötige Rüstzeug verfügen, uns die orchestrale Welt des „großen Egoisten“ (Rostropowitsch) nahe zu bringen, der trotz stalinistischer Repressalien gerne auffallende Anzüge trug und sich in Duftwolken von französischem Parfüm hüllte. Kitajenko setzt dabei vor allem auf eine überaus lebendige, musikantisch-straffe Wiedergabe, lässt sich nicht zwischen den vier Polen aufreiben, sondern nimmt sie als Haltepunkte in einer von größter Vitalität geprägten Interpretation. Durch diese effektvolle, emotionale Musikalität wird der Hörer förmlich mitgerissen.

Christoph Ludewig, Das Orchester, 6/2009

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