Dimitrij Kitajenko (Dmitry, Dmitri, Dimitri, Kitayenko, Kitaenko)
Kitajenko

"Und Prokofjew tanzt"

Die Oldies im Orchester werden sich daran erinnert haben, wie der russische Dirigent Dmitrij Kitajenko einst beim Casals-Festival in Puerto Rico für Sergiu Celibidache in die Bresche sprang - und Bruckner dirigieren musste. Im Gasteig durfte er jetzt Musik ganz nach seinem Gusto präsentieren.

Prokofjews vierte Symphonie steht zu Unrecht im Schatten der weit populäreren fünften. Man muss zwischen den Zeilen lesen, um ihre Schönheiten zu erkennen. Für Kitajenko war es ein Heimspiel. Anstatt zu klotzen, achtete er darauf, dass der tänzerische Charakter der Musik - man wählte die Erstfassung - erhalten blieb. Die Münchner Philharmoniker fühlten sich hörbar gut aufgehoben.

Obwohl populärer, sind die Rokoko-Variationen von Tschaikowsky live ebenfalls eher selten zu erleben. Tatjana Vassiljeva musizierte den Cello-Part mit warmer, dabei stets energischer Tongebung und grandioser Technik. Und auch die Kantate "Die Glocken" von Rachmaninow zeigte, dass sich abseits des Mainstream so manche Entdeckung machen lässt. Eine hochromantisch, expressive Musik, die zum Besten zählt, was der gelegentlich beckmesserisch beargwöhnte Komponist geschaffen hat. Der Philharmonische Chor und kompetente Solisten - Olga Guryakova, Dmytro Popov, Arutjun Kotchinian - garantierten eine Aufführung, die alles in allem als authentisch gerühmt werden kann.

Volker Boser, "Abendzeitung", 08.11.2010

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