Dimitrij Kitajenko (Dmitry, Dmitri, Dimitri, Kitayenko, Kitaenko)
Kitajenko

"Pathétique"-CD: Unpathetisch

Seit Tschaikowskys Bruder Modest der 6. Symphonie den Titel Pathétique untergeschoben hat, wurde er von jedem Dirigenten als Lizenz zu eben dieser Gefühlslage verstanden. Der Russe Dmitrij Kitajenko reinigt mit dem Gürzenich-Orchester Köln hingegen schon das berühmte elegische Thema des ersten Satzes von aller Tränenfeuchte. Stattdessen setzt er Tschaikowskys Spielanweisung "zart, sehr singend, ausdrucksvoll" eins zu eins um. Überhaupt bestätigt der hellwach das gefährliche Gefüge ausbalancierende Kitajenko im zweiten Teil der Gesamteinspielung aller Tschaikowsky-Symphonien, weshalb ihn das Orchester vor zwei Jahren zum Ehrendirigenten ernannte. Doch Tschaikowsky wird ernst genommen. Und steht plötzlich im Final-Satz Gustav Mahler so nahe wie zuletzt nur bei Leonard Bernstein.

Guido Fischer, k.west, Mai 2011

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